Der mit dem Teufel tanzt


Der Versucher spricht: „Was brauchen wir noch einen Gott? Seine Geheimnisse haben wir längst entschlüsselt, seine Werke perfektioniert. Sein Thron wankt. Der Mensch ist Herr seines eigenen Schicksals. Er sollte besser freiwillig abdanken, bevor wir die Republik der souveränen Menschheit ausrufen!“

„Ich habe vorgesorgt. Ich habe eine globale Organisation des Untergangs aufgebaut – und glauben Sie mir, sie funktioniert! Wir haben den Menschen umzingelt, ihn in die Zange genommen. Es gibt kein Entkommen.

Ich habe alle Bereiche des menschlichen Lebens infiltriert – Ämter, Ministerien, Unternehmen, Organisationen. Überall sitzen meine Leute. Ich lasse sie selbst alles vergiften: die Luft, das Wasser, die Nahrung, den Boden, auf dem sie stehen. Und ich verlocke sie nicht nur, ihre Körper, sondern auch ihre Seelen zu vergiften. Die Menschen sind so schwach!

Ich brauche kaum noch einzugreifen – sie erledigen es selbst. Ich lasse sie ihren eigenen Untergang herbeiführen, während sie glauben, sie wären auf dem Gipfel des Fortschritts. Sie jagen nach Wohlstand und Freiheit und erkennen nicht, dass sie sich dabei selbst versklaven.

Sie glauben, freier zu sein als je zuvor – doch sie sind Gefangene ihrer eigenen Gier. Ihr Wohlstand ist nichts als eine Kette, ihr Fortschritt ein Irrweg. Sie haben verlernt, mit wenig glücklich zu sein, und opfern für die Illusion von Wachstum alles, was ihnen einst heilig war.

Ich habe sie in den Wahn der Selbstoptimierung getrieben. Sie definieren sich über ihre Körper, jagen nach Perfektion im Spiegel. Fitnesswahn formt sie zu funktionalen Wesen, nicht zu freien. Ihr Tag beginnt mit einem Selfie, das die Fassade aufrechterhält. Jeder Moment wird dokumentiert, jeder Schritt online bewertet. Die Jagd nach Selbstverwirklichung treibt sie vorwärts, während sie sich selbst verlieren.

Ich habe die Gesellschaft in ein Schaufenster verwandelt, in dem sich jeder permanent präsentieren muss. Social Media füttert das Ego, das in Likes, Followern und Algorithmen misst, was noch von Bedeutung ist. Mein größter Coup? Die Menschen lassen sich freiwillig von Maschinen leiten. Künstliche Intelligenz gibt ihnen vor, was sie denken, was sie fühlen, was sie kaufen sollen.

Sie glauben, sie hätten die Kontrolle – dabei haben sie sie längst abgegeben.

Einst dachten sie selbst. Heute lassen sie denken. Sie hinterfragen nichts mehr, folgen blind dem, was ihnen vorgesetzt wird. Ihr Urteilsvermögen ist erstickt in einer Flut aus bedeutungslosen Reizen. Ich habe es ihnen leicht gemacht – denn wer nicht denkt, widersetzt sich nicht.

Der Mensch preist seine Errungenschaften, doch all seine technischen Wunder dienen letztlich nur der Zerstörung des Lebendigen. Krankheit ist der Preis des Fortschritts. Jede Bequemlichkeit kostet ein Stück der Seele. Und ich treibe sie weiter an, auf der Suche nach mehr, immer mehr.

Ich bin nur ein Teufel, doch ich könnte mir einen unveränderlichen Standard denken – nicht gebunden an Mode oder Geschäft, sondern an das, was den Menschen wirklich erfüllt: Glaube, Güte, Liebe, Stille. Aber meine Arbeit ist getan. Der Mensch will keinen Stillstand. Er will den Rausch, die Geschwindigkeit, die Illusion der Kontrolle. Und so dreht sich der Tanz weiter. Ein Tanz, bei dem niemand weiß, wo er enden wird. Aber wir wissen es.“

Und doch – es gibt ein Licht. Ein leises, fast vergessenes Flackern in der Dunkelheit. Es verlangt nichts, es lockt nicht mit Reichtum oder Ruhm. Es ist Bescheidenheit. Ehrfurcht. Wahrheit.

Nur wer still wird, kann es finden. Nur wer innehält, kann es sehen. Nur wenige finden es. Doch es ist da. Immer gewesen.